Ratgeber: Fachwissen zu Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit und Audits
IFS Food Beratung – Ablauf der Zertifizierung und typische Abweichungen im Audit 26.10.2026
Eine IFS Food Beratung lohnt sich für Lebensmittelhersteller immer dann, wenn der Handel eine Zertifizierung verlangt und das eigene Team zwischen Tagesgeschäft, Hygieneplänen und Normtext kaum Luft für eine strukturierte Vorbereitung hat. Der International Featured Standard Food, kurz IFS Food, ist für viele Lieferanten von Handelsmarken die Eintrittskarte in die Listung. Wer das Audit beim ersten Anlauf bestehen möchte, sollte den Ablauf kennen und die typischen Abweichungen schon vorher ausräumen.
In diesem Ratgeber zeigen wir, wie eine IFS Food Zertifizierung abläuft, welche Anforderungen Auditoren besonders genau prüfen, an welchen Stellen Unternehmen häufig Punkte verlieren und wann eine externe Begleitung sinnvoll ist.
Was ist IFS Food und für wen ist die Zertifizierung relevant
IFS Food ist ein international anerkannter Standard für die Lebensmittelsicherheit und Qualität von Produkten, die verarbeitet oder verpackt werden. Er richtet sich an Hersteller und Verpacker, also an Betriebe, in denen Lebensmittel bearbeitet werden oder offene Produkte mit Verpackungen in Berührung kommen. Reine Händler oder Logistiker werden über andere IFS-Standards abgedeckt.
Die Zertifizierung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. In der Praxis verlangen jedoch viele Handelsunternehmen von ihren Lieferanten einen gültigen IFS-Food-Nachweis, vor allem bei Eigenmarken. Betroffen sind zum Beispiel Schokoladenhersteller, Brauereien und Brennereien, Betriebe der Eisproduktion, Obst- und Gemüseverarbeiter, Convenience-Hersteller und Nussverpacker.
Seit dem 1. Januar 2024 müssen zertifizierte Unternehmen die Anforderungen der Version 8 erfüllen. Sie hat unter anderem Formulierungen präzisiert, die Abweichungsbewertung B wieder eingeführt und die Regeln für unangekündigte Audits klarer gefasst.
Ablauf der IFS Food Zertifizierung Schritt für Schritt
Eine IFS Food Zertifizierung folgt einem festen Rahmen. Bewährt hat sich die folgende Reihenfolge.
1. Gap-Analyse: Bestehende Dokumente, HACCP-Konzept, Hygienemanagement und Abläufe werden mit den Anforderungen des Standards abgeglichen. Das Ergebnis ist eine priorisierte Liste offener Punkte.
2. Aufbau oder Anpassung des Systems: Fehlende Verfahren, Spezifikationen, Rückverfolgbarkeit, Lieferantenbewertung, Allergenmanagement, Food Defense und Food Fraud werden geregelt und dokumentiert.
3. Schulung und Umsetzung: Mitarbeitende werden in Hygiene, Lenkungspunkten und Dokumentation geschult. Erst wenn Abläufe im Alltag gelebt werden, entstehen die Nachweise, die ein Auditor sehen möchte.
4. Internes Audit und Managementbewertung: Ein internes Audit zeigt vor der Zertifizierung, wo das System noch nicht trägt. Die Ergebnisse fließen in Korrekturmaßnahmen und in die Bewertung durch die Geschäftsleitung ein.
5. Auswahl der Zertifizierungsstelle und Terminplanung: Das Audit wird bei einer zugelassenen Zertifizierungsstelle beauftragt. Wer sich für die unangekündigte Auditoption entscheidet, muss sich rechtzeitig vor Ablauf des bestehenden Zertifikats registrieren.
6. Zertifizierungsaudit vor Ort: Der Auditor prüft Dokumente, begeht Produktion und Lager, befragt Beschäftigte und kontrolliert Nachweise in Stichproben. Gerade die Begehung zeigt schnell, ob Vorgaben in der Praxis eingehalten werden.
7. Maßnahmenplan und Zertifikat: Nach dem Audit erstellt das Unternehmen für jede Abweichung einen Maßnahmenplan. Erst wenn dieser fristgerecht vorliegt und das Ergebnis die Anforderungen erfüllt, wird das Zertifikat ausgestellt. Danach wiederholt sich das Audit in einem Zwölfmonatsrhythmus.
Wie im IFS-Audit bewertet wird
Jede Anforderung wird einzeln bewertet. Die Bewertung reicht von vollständiger Erfüllung über kleinere Abweichungen bis zu gravierenden Mängeln. Besonders kritisch sind sogenannte Major-Abweichungen und Abweichungen bei KO-Kriterien. KO-Kriterien betreffen zentrale Anforderungen wie die Verantwortung der Unternehmensleitung, die Überwachung kritischer Kontrollpunkte, Spezifikationen, Rückverfolgbarkeit, Korrekturmaßnahmen sowie Rücknahme und Rückruf.
Wird ein KO-Kriterium nicht erfüllt oder eine Major-Abweichung festgestellt, wird das Zertifikat in dieser Form nicht erteilt. Das kostet Zeit, Geld und im ungünstigsten Fall die Lieferbeziehung. Eine gute Vorbereitung zielt deshalb zuerst auf diese Kernanforderungen.
Typische Abweichungen bei der IFS Food Zertifizierung
Aus der Auditpraxis wiederholen sich bestimmte Schwachstellen. Wer sie kennt, kann gezielt gegensteuern.
HACCP-Konzept nicht aktuell: Neue Rezepturen, Rohstoffe oder Anlagen wurden eingeführt, ohne die Gefahrenanalyse anzupassen.
Rückverfolgbarkeit lückenhaft: Der Rückverfolgbarkeitstest gelingt nicht in der vorgegebenen Zeit oder Mengen lassen sich nicht vollständig abgleichen.
Allergenmanagement unklar: Reinigung zwischen Produktwechseln ist nicht validiert oder Kennzeichnungen stimmen nicht mit den Rezepturen überein.
Fremdkörpermanagement unvollständig: Glas- und Hartplastikregister sind veraltet, Prüfungen von Detektionsgeräten werden nicht lückenlos dokumentiert.
Korrekturmaßnahmen ohne Wirksamkeitsprüfung: Abweichungen werden behoben, die Ursache aber nicht analysiert und der Erfolg nicht überprüft.
Produktsicherheitskultur nur auf dem Papier: Ziele und Kommunikation sind beschrieben, im Gespräch mit Beschäftigten wird aber deutlich, dass sie im Alltag kaum ankommen.
Hinzu kommen Klassiker wie unvollständige Lieferantenbewertungen, fehlende Spezifikationen für Verpackungsmaterial und Prüfmittel, deren Kalibrierung nicht nachgewiesen ist. Viele dieser Punkte wirken klein, summieren sich im Audit aber schnell zu einem schwächeren Gesamtergebnis.
Dauer und Aufwand realistisch planen
Wie lange die Vorbereitung dauert, hängt vor allem vom Ausgangszustand ab. Ein Betrieb mit gelebtem HACCP-System und sauberer Dokumentation ist deutlich schneller auditbereit als ein Unternehmen, das bei null beginnt. Entscheidend sind außerdem die Zahl der Produktgruppen, die Komplexität der Prozesse und die Kapazität des eigenen Teams.
Dass es mit klarer Struktur auch zügig gehen kann, zeigt ein Projekt aus unserer Praxis: Für einen Nussverpacker hat NR Consult ein IFS-Food-7-System in rund einem Monat aufgebaut. Voraussetzung dafür war eine enge Zusammenarbeit mit dem Team vor Ort und eine konsequente Priorisierung der auditrelevanten Punkte.
Wann sich eine IFS Food Beratung lohnt
Externe Unterstützung ist besonders sinnvoll bei einer Erstzertifizierung, nach einem nicht bestandenen Audit, bei wiederkehrenden Abweichungen oder wenn die Qualitätssicherung personell knapp besetzt ist. Auch beim Wechsel auf unangekündigte Audits hilft ein unabhängiger Blick, damit das System jederzeit und nicht nur am Stichtag auditfähig ist.
Achten Sie bei der Wahl einer Beratung auf Branchenerfahrung in der Lebensmittelherstellung, Kenntnis verwandter Standards wie HACCP, FSSC 22000 oder ISO 22000 und einen Ansatz, der Ihr Team befähigt, statt nur Ordner zu füllen. Ein gutes System muss auch dann funktionieren, wenn die Beratung längst abgeschlossen ist.
IFS Food Beratung in Hamburg, Berlin, München und deutschlandweit
NR Consult begleitet Lebensmittel- und Getränkehersteller in Hamburg, Berlin, München und im gesamten Bundesgebiet von der Gap-Analyse bis zum Zertifizierungsaudit. Ob Brauerei in Bayern, Schokoladenhersteller im Norden oder Convenience-Betrieb im Großraum Berlin: Die Vorbereitung richtet sich nach Ihren Produkten, Anlagen und Abläufen und nicht nach einer Standardvorlage.
Norman Richter bringt über zehn Jahre Praxiserfahrung in Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit und Produktsicherheit mit. Er ist unter anderem HACCP-Beauftragter, Auditor und Qualitätsmanager, verfügt über Basiswissen IFS und kennt die Anforderungen von FSSC 22000 und ISO 22000. Die Beratung folgt einem siebenstufigen Ablauf von der Analyse bis zur Nachbereitung im kontinuierlichen Verbesserungsprozess.
Häufige Fragen zur IFS Food Beratung
Wie lange dauert eine IFS Food Zertifizierung?
Das hängt vom Ausgangszustand ab. Mit einem funktionierenden HACCP-System kann die Vorbereitung wenige Wochen dauern, bei einem kompletten Neuaufbau entsprechend länger. Das Zertifikat wird nach dem Audit und einem akzeptierten Maßnahmenplan ausgestellt.
Was passiert bei einer Major-Abweichung im IFS-Audit?
Eine Major-Abweichung führt dazu, dass das Zertifikat zunächst nicht erteilt wird. Das Unternehmen muss die Ursache beseitigen und die Wirksamkeit der Maßnahmen in einem weiteren Audit nachweisen.
Ist IFS Food gesetzlich vorgeschrieben?
Nein, IFS Food ist ein freiwilliger Standard. Viele Handelsunternehmen verlangen ihn jedoch von ihren Lieferanten, insbesondere bei Eigenmarken.
Wie oft findet ein IFS-Food-Audit statt?
Das Audit wird jährlich wiederholt, also im Zwölfmonatsrhythmus. Unternehmen können sich alternativ für unangekündigte Audits registrieren.
Was ist der Unterschied zwischen HACCP und IFS Food?
HACCP ist ein Verfahren zur Gefahrenanalyse und Lenkung kritischer Kontrollpunkte. IFS Food baut darauf auf und ergänzt Anforderungen an Management, Qualität, Ressourcen, Food Defense und Food Fraud.
Ihr nächster Schritt zur IFS Food Zertifizierung
NR Consult unterstützt Unternehmen deutschlandweit bei IFS Food, HACCP, Food Defense, Food Fraud, internen Audits und integrierten Managementsystemen. Sie möchten wissen, wie weit Ihr Betrieb vom Zertifikat entfernt ist? Nutzen Sie das Kontaktformular für Ihre Anfrage zur IFS Food Beratung. Die Erstanfrage ist kostenlos. Normen verstehen. Prozesse verbessern. Zukunft sichern.